Deutsche Pokalmeisterschaften 2026 – TTV Offenbach schreibt mit Einzug ins Halbfinale Vereinsgeschichte



















Vom 14. bis 17. Mai reiste unsere erste Mannschaft zu den Deutschen Tischtennis-Pokalmeisterschaften nach Hamm (Westfalen) – und erlebte dort Tage, die wohl keiner der Beteiligten so schnell vergessen wird.
In der Klasse Erwachsene C traten Oliver Giemsa, Felix Bauch und Holm-Uwe Burgemann an. Kai Huang, der die Mannschaft noch bei den Hessischen Pokalmeisterschaften mit einer starken Leistung unterstützt hatte, konnte leider nicht anreisen. Mit dieser auf drei Spieler reduzierten Minimalbesetzung machten sich die Offenbacher auf den Weg – im Wissen, dass alle anderen Teams in Hamm denselben langen Weg gegangen waren, der da bereits hinter ihnen lag.
Der Kreispokal musste errungen und ein unglaublich enges Halbfinale im Bezirkspokal gegen alle Erwartungen gewonnen werden, bevor mit dem Sieg bei den Hessischen Pokalmeisterschaften feststand, dass dieses Team das beste seiner Liga im Land Hessen ist. Die Deutsche Pokalmeisterschaft versammelt schließlich die Pokalsieger aus allen Landesverbänden. Wer hier antritt, weiß, was er will: den Sieg auf nationaler Ebene.
Und Giemsa, Bauch und Burgemann waren nicht allein. Aus der Heimat feuerte der Verein die Mannschaft mit einer kaum abreißenden Flut an Nachrichten an. Nicht wenige hatten sich einen Livestream gewünscht. An seiner Stelle mussten Nachrichten, Bilder und Videos die Neuigkeiten in den Vereinschat bringen, der so lebendig war wie selten zuvor. Nicht drei Menschen standen in Hamm an den Tischen, ein ganzer Verein stand hier auf der Bühne unseres Sports.
Erst ankommen – dann spielen
Dabei bringt ein Turnier dieser Größenordnung seine eigene Atmosphäre mit sich. Neue Hallen, nagelneue Turniertische, anderes Licht, andere Bälle und eine gehörige Lautstärke an jeder Box – das alles muss man erst verarbeiten, muss sich einspielen, das eigene Niveau abrufen. Das ist für niemanden einfach, egal wie stark er auf dem Papier ist. Und das zeigte das erste Spiel am Donnerstag, dem 14. Mai, unmissverständlich.
Ab 15 Uhr wartete der TTC Wenden (Nordrhein-Westfalen) als Auftaktgegner. Die Partie verloren die Offenbacher mit 3:4 – auch weil sich das Team mit Maximillian Nüsse einem jungen Talent gegenübersah, das deutlich über seine Papierform hinauswuchs. Viele der folgenden Gegner sollten dasselbe tun: Wer es bis nach Hamm geschafft hat, gibt alles und mehr. Das war spürbar. Und es bedeutete, dass auch die Offenbacher stets ihr Bestes geben mussten – und dann auch gaben.
Ein Team findet sich
Mit einer klaren taktischen Strategie gingen die Offenbacher in die restlichen Partien. Oliver Giemsa übernahm ausnahmslos die Position 1 – in der Hoffnung, in seinen beiden Einzeln verlässlich Punkte zu holen. Der Plan ging vollständig auf. Giemsa blieb über das gesamte Turnier ungeschlagen und ist damit der einzige Spieler der Klasse Erwachsene C mit einer makellosen Einzelbilanz. Dass er dabei mehrfach Zwei-Satz-Rückstände aufholen musste, macht diese Spielstatistik umso bemerkenswerter.
Am Freitag, dem 15. Mai, besiegten die Offenbacher die TTG Kalenborn/Altenahr (Rheinland-Pfalz) mit 4:2. Besonders eindrücklich war dabei Giemsas Einzel: In einem zähen Fünf-Satz-Duell gegen Gabriel Nelles setzte er sich nach taktischer Umstellung im Entscheidungssatz durch – eine Partie, die die Richtung des ganzen Spieltags vorgab.
Das Doppel Giemsa/Bauch – im modifizierten Swaythling-Cup als viertes der sieben Matches ausgetragen – erwies sich als verlässliche Stütze des Teams: In allen fünf gewonnenen Partien holten die beiden einen Punkt, auch wenn es dabei nicht immer glatt lief. Holm-Uwe Burgemann, der erst nach der Pandemie begonnen hatte, beim TTV das Tischtennis zu lernen, wurde bewusst so aufgestellt, dass er gegen die stärkere gegnerische Position antrat – eine Rolle, die er mit Einsatz und Haltung ausfüllte und dabei dem ein oder anderen Achtungserfolg nahe war.
Ein langer Samstag
Der Samstag, der 16. Mai, war der härteste Tag des Turniers. Zunächst warteten noch zwei Gruppenspiele: Gegen den TTC Eschbach (Baden-Württemberg) gab es ein 4:1, wobei Oliver Giemsa im Einzel gegen Daniel Brünisholz erneut einem 0:2-Satzrückstand trotzte und das Match noch für sich entschied. Anschließend folgte ein 4:0 gegen den BTTC Grün-Weiß (Berlin). Im Viertelfinale wartete die TFG Köln-Nippes (Nordrhein-Westfalen), die ebenfalls mit 4:2 bezwungen wurde. Drei Spiele an einem Tag – das forderte körperlich seinen Tribut.
Was die Offenbacher in dieser Phase besonders trug: die Solidarität ihrer Gruppengegner. Die Mannschaften, gegen die man in der Vorrunde angetreten war, hatten Sportsgeist gezeigt und feuerten ihre einstigen Kontrahenten nun in Viertel- und Halbfinale an. Der TTC Wenden hatte zudem auf seiner Kameralinse nicht nachgelassen und während des Turniers Fotos gemacht – eine Geste, die den besonderen Geist dieses Wochenendes widerspiegelt und dem hier unser Dank gilt.
Halbfinale – und das Turnier-Aus um 9 Uhr morgens
Am Sonntag, dem 17. Mai, begann das Halbfinale gegen den DJK 1927 Dossenheim (Baden-Württemberg) bereits um 9 Uhr. Nach dem langen Samstag war der Körper, allen Saunagängen des Vorabends zum Trotz, bereits an seine Grenzen gegangen, und gegen einen starken Gegner musste sich die Mannschaft nach körperlicher und emotionaler Erschöpfung mit 2:4 geschlagen geben. Doch das Ausscheiden schmälert das Erreichte in keiner Weise.
Dass der TTV Offenbach diesen Weg bis ins Halbfinale der Deutschen Pokalmeisterschaften gegangen ist, wird auf lange Zeit der größte sportliche Erfolg der Vereinsgeschichte sein – und für die drei Spieler, die diese Tage erlebt haben, wohl einer der größten Momente ihrer Tischtennislaufbahn.
Drei Spieler. Drei Rollen. Ein ganzer Verein.
Was das Turnier in Hamm auch gezeigt hat: Viele Gegnerteams reisten mit großem Anhang an – Trainer, Betreuer, Fans mit Trommeln, die die Halle in Stimmung brachten und ihre Spieler in entscheidenden Momenten pushen konnten. Die Offenbacher hatten das nicht. Sie hatten nur sich selbst an den Tischen – und einen Verein, der vom fernen Offenbach aus mitfieberte, mitzitterte und mitjubelte. Und trotzdem waren sie manchmal die Lautesten in der Halle, was jeder Einzelne, der an der Platte stand, gespürt hat.
Oder wie Holm-Uwe Burgemann diese Tage resümiert: »Was unsere Mannschaft stark gemacht hat, war nicht allein die spielerische Leistung Einzelner. Es war die Art, wie wir zusammengestanden haben. Wer einen Satz verlor, wurde aufgefangen. Wer Wut spürte, fand zwei andere hinter den Banden, die sie ausglichen. Wer zweifelte, sah in ihren Augen jene Ermutigung, ohne die eine solche Leistung letztlich unmöglich wäre. Wir waren Spieler und Coach gleichermaßen. Und vielleicht ist es neben der schönen Bronze-Medaille vor allem das, was für uns bleibt.«



